Erste Tage in Hanoi

“Soon you get box!” meint der breit grinsende Zollbeamte, “signiture here!”. Ich unterschreibe wohl schon das zehnte Formular voller vietnamesischer Hyroglyphen, verstehe kein Wort, weiß weder was noch wofür ich unterschreibe, ich will nur noch diese verdammte Kiste! Und schon reist er mir den Wisch aus der Hand und rennt weiter, von Büro zu Büro, durch enge dunkle Gänge und Neonlicht-Lagerhallen, vorbei an hektisch arbeitenden Uniformen, manche suchen Schlaf auf improvisierten Feldbetten inmitten des Lärms. Der vietnamesische Zoll nimmt seine Arbeit ernst, erst recht wenn ein Tourist versucht eine Kiste ins Land zu bringen, und erst recht wenn sich in dieser Kiste allermöglicher Fahrradkram und ein roter Sessel befindet! Und wirklich,
nach zwei Reisetagen schrauben wir die Kiste unter Beobachtung unzähliger glotzender Vietnamesen auf. Das hat hier auch noch keiner gesehen: zwei Touristen wollen mit Fahrrädern einem Sessel durch Indochina fahren!

 

Die nächsten Tage bleiben wir in Hanoi. Erstmal ankommen und ausruhen in einer Stadt bei der an Ruhe nicht wirklich zu denken ist. Überall drängen sich hupende Motorroller durch die engen Altstadtgassen, Händler preisen lautstark ihre Waren an, alles ist in Bewegung, Menschengewusel zwischen Kultur und Moderne, Tempel und Apple, Buddha und Lenin, brodelnder Mix aus Aberglaube, Buddhismus und Kommunismus, französischem Baguette und Elektrobikes. Hier spricht fast niemand Englisch und die Menschen begegnen uns meist in schüchterner und ungläubiger Zurückhaltung, wenn wir mit Händen und Füßen versuchen das Projekt zu erklären und sie mit einem “Ngoi” (setz dich auf vietnamesisch) bitten in unserem Sessel Platz zu nehmen. Irgendwie klappte es dann aber doch und so entstand mitten auf der chaotischsten Kreuzung Hanois das erste Portrait der Reise.

 

Es ist Samstag, 6.30 Uhr morgens. Eine krächzende Propagandastimme dröhnt in voller Lautstärke aus dem Lautsprecher direkt neben unserem Fenster, dann vietnamesische Volkslieder, Good Morning Vietnam! Wir packen unsere Sachen und fliehen auf dem Highway A1 in Richtung Süden.

 

4 Comments

  1. Christel und Klaus
    , September 12, 2013 Reply

    Liebe Indre, lieber Stefan und tapferer “La Silla”,
    uff, Erleichterung zu sehen, dass Ihr 3 gut angekommen seid. Viele Grüße aus Heidelberg und alles Gute auf der Reise.
    Christel und Klaus

  2. Fat R
    , September 20, 2013 Reply

    Hallo Indra und Stefan,
    wie geht’s? Alles nicht so einfach. Sammelt viele Erinnerungen und Fotos. Später sind Sprachschwierigkeiten und Regen vergessen.
    Bin gespannt, was ihr so erlebt.

    Grüßle
    Fat R

  3. Fabien
    , September 20, 2013 Reply

    Salut mes amis !
    Dein Post klingt gut! Ich bin neben euch für den Rest der Reise 🙂
    Viel Spaß auf der anderen Seite der Welt!

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